5 Tipps zur erfolgreichen Prüfungsvorbereitung

Das Gerichtsdolmetschergesetz, das 2023 in Kraft trat, führte dazu, dass Anforderungen an Übersetzer- und Dolmetscherqualifikationen vereinheitlicht wurden. Man kann sich darüber ärgern oder es ignorieren. Tatsache ist, dass sich inzwischen mehr Personen für eine staatliche Übersetzer- oder Dolmetscherprüfung anmelden (persönlicher Eindruck, keine Statistik). Darunter sind nicht nur Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, sondern oft auch bereits ermächtigte oder beeidigte Kolleg:innen, die seit Jahren in der Branche sind, aber keine staatliche Prüfung oder keinen Studienabschluss in diesem Bereich vorweisen können. Um ihre Ermächtigung oder Beeidigung zu verlängern, kann es erforderlich sein, eine staatliche Prüfung abzulegen.

Und so passiert es recht häufig, dass sie sich aufgrund ihrer Erfahrung eigenständig auf die Prüfung vorbereiten wollen. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, welche Überlegungen dabei eine Rolle spielen. Allerdings zeigt meine Erfahrung als Dozentin und Kursentwicklerin, dass ohne gezielte Prüfungsvorbereitung und ohne klare Vorstellung davon, was in der Prüfung passiert, der Erfolg ausbleiben kann. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch teuer werden.

Und obwohl ich selbst Kurse zur Vorbereitung auf staatliche Übersetzer- und Dolmetscherprüfungen anbiete, möchte ich an dieser Stelle allen, die in solchen Kursen sind oder mit dem Gedanken spielen, einen Kurs anzufangen, und denjenigen, die sich doch eigenständig vorbereiten wollen und können, ein paar Ratschläge auf den Weg geben. Meiner Erfahrung nach sind es oft einfache Prinzipien, die, wenn sie konsequent angewandt werden, am Ende zum Erfolg führen.

1. Ohne Ziel ist jeder Weg falsch – Ziele setzen und den Weg planen

1.1 Ziele setzen! Die Mitarbeiter:innen der Prüfungsämter haben sich nicht ohne Grund die Mühe gemacht, einiges aufzuschreiben. In den Merkblättern sind einige wichtige Informationen zusammengetragen. Auch in den Prüfungsordnungen sind die Angaben enthalten, die du lesen solltest. Informiere dich darüber, wie die Prüfung abläuft, was in den einzelnen Prüfungsteilen von dir erwartet wird. Lies aufmerksam alles, was das Prüfungsamt dir zur Verfügung stellt.

1.2 Den Weg planen! Erstelle einen tabellarischen Lehrplan oder eine MindMap mit den wichtigsten Themen. Stelle eine zeitliche Planung auf, wann du welche Themen bearbeiten willst. Und halte dich daran!

2. Sei auf dem Laufenden

Verfolge täglich Nachrichten in deinen Prüfungssprachen – sowohl allgemein als auch fachspezifisch. Ein Beispiel für Deutsch wäre die Sendung Profit – Das Wirtschaftsmagazin auf WDR 5 für jemanden, der Wirtschaft als Fachgebiet in der Prüfung gewählt hat. Es gibt bei WDR 5 noch sehr viele weitere Sendungen, die man als Podcast zu der individuell passenden Zeit anhören kann. Auch in deiner zweiten Arbeitssprache gibt es sicherlich aktuelle, kompakte Audio- oder Videoformate, die dich sachlich über das aktuelle Geschehen informieren.

3. Lass dir Feedback geben

Schließe dich mit Kolleg:innen oder einem Kurs zusammen, schreibe Übersetzungen und Aufsätze oder übe das Dolmetschen – und hole dir gezieltes individuelles Feedback ein. Gerade im Prüfungskontext kann es passieren, dass man am Ziel vorbeischießt. Gerade für Laiendolmetscher:innen, die sich durch die Prüfung professionalisieren möchten, ist das eine häufige Falle: Jahrelang erhalten sie von ihren Kunden und Auftraggebern positives Feedback wie ‚Sie machen das toll!‘. In der Prüfung müssen sie dann aber den ihnen unklaren und unbekannten Anforderungen genügen, während vor Ihnen professionell qualifizierte Prüfer:innen sitzen.

Daher empfehle ich, in jedem Fall erfahrene Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen in deinem Sprachpaar zu suchen, die deine Übersetzungen detailliert korrigieren können und erklären können, wie du dich verbessern kannst. Bemühe dich, die Möglichkeit zu finden, die Dolmetschteile der Prüfung mit professionellen Dolmetscher:innen zu üben. Sie können dir nicht nur sagen, welche Fehler du gemacht hast, sondern auch wie du alleine weiter üben kannst.

4. Mach es spannend

Motivation ist der Schlüssel zum Durchhalten. Wähle für dein Training spannende Texte, Themen und Methoden. Um in den Übungsfluss zu kommen, nimm deine Lieblingsthemen oder Texte aus deinen Lieblingsbüchern oder Zeitschriften. Wenn du nicht gerne mit der Hand schreibst oder tippst, diktiere deine Übersetzungen oder Aufsätze während der Prüfungsvorbereitung. Die meisten modernen Geräte schreiben nach Diktat. Langweilige Texte und Themen kannst du dir später vornehmen.

5. Übung macht den Meister!

Ob in einem Kurs oder allein zu Hause – regelmäßiges Üben und eine feste Routinesind entscheidend. Als Aufgaben solltest du genau solche Übungen aussuchen, die du in der Prüfung schreiben bzw. ausführen musst. Die Prüfungsteile findest du in den Merkblättern und den Prüfungsverordnungen. Bedenke, dass die Prüfungen handschriftlich abgelegt werden. Also übe ab und zu auch das!

Ich hoffe, diese fünf Tipps bringen dich weiter! 🙂 Wenn du dir mehr Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung wünscht, findest du mein Kursangebot hier. Und bis dahin –

viel Erfolg in der Prüfung!